Baselstrasse in Luzern: Von der Durchfahrstrasse zum Einkaufsparadies

Wer in Luzern wohnt, der weiss: In der Baselstrasse soll man sich, vor allem nachts, nicht aufhalten. Wie der Name schon sagt, ist die Strasse als Durchfahrtsstrasse von Luzern Richtung Basel, bekannt.

Im Mittelalter, als Luzern noch durch die Stadtmauer abgetrennt war, sammelte sich im Gebiet der Baselstrasse alles, was man im Zentrum nicht sehen wollte. Leute mit Pest, Verbrecher und Verarmte. Bis heute kämpft die Gegend mit ihrem schlechten Ruf. 60% der Bewohner haben keinen Schweizer Pass und es leben Menschen aus über 70 Nationen in dem bunten Quartier.

Das Projekt shop&food will uns Schweizerinnen und Schweizer einladen, vermehrt in der multikulturellen Strasse einzukaufen. Dazu veranstalten sie Touren, bei denen die Läden und Lebensmittel vorgestellt werden und ein superfeines Znacht aus einer der Nationen gekocht wird. Wir haben an einer Tour teilgenommen um uns die Baselstrasse mal von einer ganz neuen Perspektive zu betrachten.

Um 18:00 trifft sich unsere Gruppe im Sentitreff in Luzern wo die Tour startet. Wir sind überrascht – 16 Leute nehmen an dem Rundgang teil. Eine ganze Menge wie wir finden. Nach einer kurzen Einleitung und einer Aufforderung zum Neugierig sein geht es dann auch schon los. Wir schliessen uns der Gruppe von Elena an und werden zum ersten Laden geführt. Irgendwie fühlt man sich ein bisschen wie ein Tourist, der in einer Gruppe durch eine fremde Strasse geführt wird. Auch gut – einen kostengünstigeren Kurztrip in so viele verschiede Länder gleichzeitig gibt es wohl kaum.

Unsere erste Station ist der Calo-Basar an der Baselstrasse 74. Dort werden seit 2007 afrikanische Lebensmittel und Kosmetikartikel angeboten. Von der Tochter des Hauses werden wir freundlich begrüsst und uns werden die beliebtesten afrikanischen Lebensmittel vorgestellt. Reis, Polenta und Bohnen hatten wir ja erwartet, aber was man aus Palmöl und Früchten, Kochbananen und Maniok zaubern kann, war uns neu. Zum probieren wurden uns Chips aus Kochbananen herumgereicht (yummy!) während uns gleichzeitig exotische Haarpflegeprodukte wie zum Beispiel Haarmayonnaise vorgestellt wurden.

Weiter geht’s: Gleich nebenan erwartet uns Dora mit ihrem Sortiment aus südamerikanischen Lebensmitteln und Geschenkartikel. Mit ihrem Temperament erzählt sie uns voller Freude alles über die besten Saucen und Pasten für perfekte Faijtas und Enchadillas und was die südamerikanische Küche sonst noch so hergibt. Unsere Blicke waren aber vor allem auf die Totenköpfe gerichtet, die im Laden in jeglicher Ausführung verkauft werden. Auch hier konnte Dora uns weiterhelfen: Diese werden an den Feiertagen als Geschenke mitgebracht und gibt es auch aus Zuckerrohr, damit sie nachher verspeist werden können.

Unsere nächste Station ist ein asiatischer Laden, der vor allem Produkte aus Indien und Sri Lanka verkauft. Wir sind überwältigt – über 20 verschieden Reissorten werden in riesigen Säcken angeboten. Dies sei nur eine kleine Auswahl der 120 verschiedenen Sorten, dies in Asien zu kaufen gibt, so unser Führer. Auch sonst finden wir dort ein riesiges Angebot an Currys, exotischen Früchten, frischem Fisch und diversen Nudeln und Saucen. Unser coolster Fund waren hier getrocknete Soja-Stücken, die als Fleischersatz dienen sollen.

Nun geht es auf zur letzten Station, dem Mercado 47! Dieser verkauft vor allem portugiesische sowie südamerikanische Produkte. Und der portugiesische Charme ist auch im Programm stark zu spüren, das für uns vorbereitet wurde. Ein Apero-Buffet mit portugiesischen Spezialitäten wie grünem Wein, Feigensenf und Chorizo wurde eröffnet und was uns vorgestellt wurde, durften wir gleichzeitig probieren. Vom grünen Wein sind wir so schnell nicht mehr los gekommen. Daher haben wir natürlich auch noch ein paar Flaschen für zuhause eingepackt und Portugal gleich auf unsere „Must Visit“-Liste gesetzt.

Als krönender Abschluss ging es dann zurück zum Sentitreff, wo uns ein tolles Abendessen erwartete. Marianne, die ursprünglich aus dem Kongo stammt, hat uns mit einem Buffet aus Reis, Kochbanen in einer frittierten und einer gekochten Version, Pouletschenkeln und zwei verschiedenen Eintöpfen überrascht. Welch ein Genuss – die kongolesische Küche schmeckte uns wirklich hervorragend! Nach einer leichten Mangocreme als Dessert war der Abend dann beendet und wir verabschiedeten uns von unserer tollen Truppe.

Das shop&food hat uns definitiv näher an die Baselstrasse gebracht. In Zukunft werden wir dort nicht mehr nur durchfahren, sondern gerne auch mal für einen Shoppingtrip anhalten. Parkmöglichkeiten gibt es übrigens im Parkhaus am Gütsch oder in der blauen Zone rund um die Dammstrasse.

 

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Verfasst von Carmen & Ante | 6. April 2016 |  


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