Die (R)evolution des Autos #1

 

 

Nachdem vor rund 130 Jahren mit der Erfindung der Motorkutsche die erste Mobilitäts-Revolution entfesselt wurde, stehen wir heute vor der zweiten automobilen Revolution: Selbstfahrende Autos und die Digitalisierung werden bald eine völlig neue Mobilitätswelt einläuten.

 

Die erste epochale Umwälzung in Sachen Mobilität nahm Ende des 19. Jahrhundert ihren Anfang. Damals begann ein tiefgreifender Wandel: Die Entwicklung der Massenmotorisierung. Zunächst war es für niemanden absehbar, dass das Auto bald unser ganzes Leben und die Funktionsweise unserer Gesellschaft prägen und verändern würde.

 

Heute stehen wir vor der zweiten automobilen Revolution. Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2030 die meisten Fahrzeuge auf unseren Strassen ganz- oder teilautonom unterwegs sein werden – vorsichtig geschätzt. Bald verkehren also auf unserem Strassennetz Autos und Lastwagen, die ohne menschliches Zutun unterwegs sein werden, gesteuert durch eine Software. Vertrauen wir unser Leben bald einem Algorithmus an?

 

Doch der Reihe nach…

 

 

 

Jedem Land sein Autopionier

Ähnlich wie bei der Erfindung des Rades, welche rund 4’000 v. Chr. in mehreren Kulturen parallel passierte, kann auch die Erfindung des Automobils nicht nur einer Person zugeschrieben werden. Vielmehr haben wir es mit einem Entwicklungsprozess zu tun.

 

In Europa gab es verschiedene Autopioniere, die zeitgleich an Prototypen einer Motorkutsche gewerkelt haben. In Deutschland beruft man sich beispielsweise nicht ohne Stolz auf die Herren Daimler und Benz, die um 1880, unabhängig und nur wenige Kilometer entfernt voneinander, einen Explosions- und Verbrennungsmotor entwickelten und zum Patent anmeldeten.

 

Auch die Schweiz hatte einen Schrittmacher in Sachen Automobilentwicklung: Der Walliser François Isaac de Rivaz baute anno 1806 einen Wagen mit Gasmotor und elektrischer Zündung.

 

 

Die Verbreitung der motorisierten Kutsche

„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an Chauffeuren.“ Soweit eine Prognose von Gottfried Daimler. Er konnte besser Autos bauen als Prognosen abgeben.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekam der Durchschnittsbürger nur selten ein Auto zu Gesicht. Und wenn einmal eines vorbeiknatterte – laut, stinkend und eine dichte Staubwolke aufwirbelnd – bildeten sich Menschentrauben. Jeder wollte einen Blick auf das neuartige auto-mobile, also selbst-fahrende Ungetüm werfen. Die Arbeit, die eben noch von Pferden verrichtet wurde, wurde bereits in den 1920er-Jahren mehrheitlich von Motorräder, Auto, Lastwagen, Taxis übernommen. Nochmals zehn Jahre später dominierte das Auto das Stadtbild vollends.

 

 

 

Das Auto steckt noch in den Kinderschuhen

Im Vergleich zu heute waren die ersten Motoren läppisch schwach, die Geschwindigkeit vergleichbar mit einem rollenden Möbelstück. Mit rund einer Pferdestärke brachten schon mittlere Steigungen das Fahrzeug zum Stillstand, der Chauffeur musste aussteigen und schieben. Wie man es heute von Velowanderkarten kennt, waren damals auf Autokarten Steigungen präzise eingezeichnet.

 

Auch sonst war die Technik sehr unzuverlässig, Defekte und ganze Systemausfälle an der Tagesordnung. Am häufigsten für eine unfreiwillige Reiseunterbrechung verantwortlich waren die dünnen, vom Fahrrad übernommenen Luftreifen. Man kann sich ausrechnen, wie oft sie den herumliegenden Hufnägel der Rösser zum Opfer fielen. Klimabedingt war man auch gut beraten, seine Motorkutsche erst nach der Spargelsaison spazieren zu fahren.

 

 

 

Sonderfall Schweiz – Das Bündner Autoverbot 1900 bis 1925

In aller Regel setzte die staatliche Politik der Motorisierung lediglich Leitplanken und legte ihr keine grossen Hindernisse in den Weg. Überall? Nein! Ein von unbeugsamen Berglern bevölkertes Gebiet hörte nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Nachdem die ersten Autos die Pferde durchbrennen liessen, wurde das Fahren mit Automobilen auf sämtlichen Strassen des Kantons Graubünden verboten. 

 

Eine breite Gegnerschaft formierte sich. „Ein einziger Autoprotz, der das Land unsicher macht, vertreibt Hunderte von ruhebedürftigen Gästen“ sorgte sich die Fremdenverkehrsindustrie in ganzseitigen Zeitungsinseraten. Zwei Dutzend Volksabstimmungen später wurde 1925 das Verbot wieder aufgehoben.

 

Autos für die Massen

Doch die Verbesserung der Technik schritt zügig voran. Während um 1890 „Raser“ in New York noch von berittenen Polizisten angehalten wurden, knackte – Ironie der Geschichte – ein Elektrofahrzeug nur einige Jahre später bereits die 100 Stundenkilometer Marke. Im Jahr 1909 erreichte ein Auto mit Verbrennungsmotor mehr als 200 km/h.

 

Ein Automobil konnten sich in den Anfängen nur gutbetuchte Zeitgenossen leisten. Dies änderte sich spätestens mit Henry Ford. Mit seinem Konzept der Fliessbandfertigung um 1913 wurde das Auto für den „kleinen Mann“ erschwinglich. Und ganz nebenbei katapultierte er die gesamte industrielle Produktion in ein neues Zeitalter.

 

Ab 1950 schliesslich machten Innovationen wie die elektronische Benzin-Direkteinspritzung, Antiblockiersystem, Katalysator oder das elektronische Stabilitätsprogramm das Autofahrer-Leben einfacher, sicherer und umweltfreundlicher.

 

 

 

Wohin geht die Reise?

Im 20. Jahrhundert hat keine Erfindung die Gesellschaft mehr verändert als das Auto. Die Chancen stehen gut, dass das selbstfahrende Auto, quasi das Auto-Auto, eine ebenso prägende Rolle für das 21. Jahrhundert einnehmen wird.

 

Werden das selbstfahrende Auto und die Digitalisierung der Mobilität unsere Verkehrsprobleme lösen, oder werden sie bloss neue schaffen? Und was kann die Sharing Economy dazu beitragen? Fragen über Fragen. Ratlosigkeit Hilfsausdruck. Mehr dazu gibt’s diese Woche in zweiten Teil.

 

Verfasst von Peter | 15. Juni 2016 |  


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