Kunst in Zürich – Technik im Museum

 

Auf welchem Gleis fährt der Zug? Gibt es Verspätungen? Und wann kommt meine Freundin an? Fast dreissig Jahre lang beantwortete die analoge Anzeige am Zürcher Hauptbahnhof diese drängenden Fragen. Sie informierte täglich fast eine halbe Million Reisende und Pendler. Im Herbst 2015 wurde die tonnenschwere Tafel jedoch abmontiert und durch einen riesigen LED-Bildschirm ersetzt. Das löste nicht nur bei Nostalgiker kurzes Entsetzen aus. Auch ich vermisste die Tafel. Doch nach einigen mürrischen Kommentaren war die digitale Erneuerung bereits Alltag – und auch ich dachte wochenlang nicht mehr an die alte Anzeige.

 

Dann besuchte ich das Museum of Digital Art – und sah die Informationstafel wieder. Sie ist jetzt Kunst. Die Ortsangaben, Meldungen und Zugbezeichnungen bilden ein ständig wechselndes Muster. Programmiert wurde die Anzeige von den Schweizern Andreas Gysin und Sidi Vanetti. Kennengelernt haben sich die Künstler während des Grafik-Unterrichts in Lugano. Auch eine alte Busanzeige haben die beiden Freunde neu programmiert: Über den Display wandern jetzt sanfte Pixel-Wellen. Ein weiterer Beweis, dass Daten, Codes, Algorithmen nicht nur Technik-Nerds fesseln können.

 

 

Daten, Daten! 

In Zürich und anderen europäischen Städten gibt es zahlreiche Museen. Doch nur eines widmet sich explizit der digitalen Kunst – das MuDA in Zürich West. Anfang 2016 wurde es von Christian Etter und Caroline Hirt eröffnet. Der Gamedesigner und die Kuratorin haben für die Realisierung des Projektes auf kickstarter rund 100’000 Franken durch Crowdfunding gesammelt – mehr als 550 Menschen haben zwischen 50 und 5000 Franken überwiesen. Sie wurden je nach ihrer Grosszügigkeit mit Mitgliedschaften oder einer privaten Party belohnt.

 

Das Geld floss grösstenteils in die Umbauarbeiten. Der frühere Eingangsbereich des Migros-Hochhauses wurde in einen 400 Quadratmeter grossen Raum umgewandelt. Er ist weiss und hell, die grossen Fensterfenster lassen viel Licht herein. Nichts lenkt von den Ausstellungsstücken ab. Eine bewusste Entscheidung. Das Gründerduo schrieb bereits vor dem Start des Museums, dass es sich an das «Less but better»-Maxim halten werde. Ausstellungen sollen keine Ansammlung sein, sondern nur sorgfältig ausgewählte Werke zeigen – und dem Publikum die Möglichkeit bieten, diese völlig frei zu erleben. Ein Wunsch, der an der Pfinstweidstrasse in Erfüllung geht. Der fast kahle Raum rückt die digitale Kunst mit nur wenigen Stücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

 

 

Wissenschaft, Technologie & Kunst

Drei Ausstellungen sind pro Jahr geplant. Einzige Bedingung: Die Kunst basiert auf Codes. Die jeweiligen Künstlerinnen und Künstler sind in der Gestaltung des Raums komplett frei; Etter und Hirt stellen nur die Lokalität zur Verfügung. Dabei soll das MuDA mehr sein als ein Museum – es versteht sich als Zentrum für Wissenschaft, Technologie und Kunst.

 

Die aktuelle Ausstellung läuft noch bis 21. August. Danach geht es mit dem französischen Kollektiv Lab212 weiter. Die Videos auf Youtube und Vimeo sowie verschiedene Zeitungsartikel schüren bereits jetzt meine Vorfreude.

 

Zu jeder Schau wird eine App geben. So sind Künstlerinterviews und Werk-Screenings auch für jene erlebbar, die nicht nach Zürich-West reisen können.

 

 

MuDA | Museum of Digital Art | Pfingstweidstrasse 101 | 8005 Zürich | Eintritt: CHF 12.–

 

An die Pfingstweidstrasse kommst du übrigens auf verschiedene Wege: Entweder du nimmst das Tram 4 bis zur Haltestelle Toni-Areal – oder fährst mit der S-Bahn oder dem Auto zur Hardbrücke. Letzteres kannst du im Parkhaus Pfingstweid abstellen. Von dort aus sind es nur noch zehn Gehminuten bis zum MuDA.

 

 

Photo Credits: MuDA / Zürich Tourismus

 

Verfasst von Eva | 18. April 2016 |  


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