Mobilitätstrends – Mehr Freiheit, weniger Abhängigkeit

 

Multimodale Mobilität, ein Hoffnungsschimmer am Verkehrshorizont?
Peter erzählt, wie innovative Mobilitätskonzepte die Abhängigkeit von einzelnen Verkehrsmitteln lockern und eine bedarfsgerechte Nutzung ermöglichen.

 

 

Ungebremstes Verkehrswachstum in der Schweiz

Der Verkehr in der Schweiz wird immer mehr. Und mit ihm die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik sind eindrücklich: In der Schweiz werden jährlich rund 125 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt. Soweit hat es nicht einmal die Raumsonde Voyager 1 geschafft. Das Licht bräuchte für diese Distanz eine Arbeitswoche. Inklusive Samstag. Von diesen 125 Milliarden Kilometern entfallen 88 Milliarden auf das Auto, was 11’000 Kilometern pro Nase entspricht.

 

Rund 80 Prozent aller Haushalte in der Schweiz verfügen über ein Auto, 4.5 Millionen Personenwagen sind es insgesamt. Heute bewältigen Herr und Frau Schweizer doppelt so viele Kilometer im Auto wie noch vor 40 Jahren. In der selben Zeit betrug die Bevölkerungszunahme nur 18 Prozent. Das Verkehrswachstum hat sich also von der demographischen Entwicklung entfesselt.

 

Ein Rückgang der Personenverkehrsleistung ist auf kurze Sicht nicht zu erwarten. Das Auto behauptet nach wie vor seine Rolle als Rückgrat der modernen Mobilität. Trotzdem – oder gerade deswegen, gibt es Anzeichen, die auf eine Veränderung in unserer Beziehung zum Automobil hindeuten. Neue Mobilitätstrends könnten eine Verminderung des urbanen Automobilisierungsgrades zur Folge haben.

Das Auto im Wandel

«Ein Auto ist für mich kein Statussymbol, sondern eine praktische Sache. Wenn man selber eines in der Garage stehen hat, ist es einfach nur eine Geldvernichtungsmaschine, weil es quasi 24 Stunden nur ungenutzt rumsteht und einen Haufen Folgekosten generiert».

 

Dies eröffnete mir neulich mein Kollege Paul während einer Diskussion über Sinn und Unsinn des Autobesitzes. Er scheint damit nicht alleine zu sein: Wie kürzlich eine Studie der Unternehmensberatung Prophet ergab, verspüren in urbanen Gegenden zunehmend weniger Menschen den Drang, mit dem Kauf eines Fahrzeuges ein soziales Zeichen zu setzen. Die enge Verbindung zwischen Autos und materialistischen Wertvorstellungen wird lockerer. Die emotionale Bindung der jungen Generation an das Statussymbol Auto schwächelt.

 

In erster Linie muss ein Auto heutzutage praktisch sein. Der Preis hat korrekt und der Unterhalt günstig zu sein. Und es darf gerne auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Vor einiger Zeit noch geltende, automobile Werte wie Pferdestärken, imageträchtige Markennamen und Geschwindigkeit verlieren an Bedeutung und können sich sogar negativ auf den Sozialstatus auswirken. Klassische, materielle Statussymbole werden vermehrt durch neue Werte ersetzt. Werte wie Ökologie, ein gesunder und bewusster Lebensstil und alternative Verkehrsmittel. Oder das Mittagsschläfchen, wie Forscher am Gottlieb Duttweiler Institut kürzlich herausgefunden haben.

 

 

 

Führerschein, eigenes Auto oder doch lieber ein Smartphone?

Ein weiter Trend ist die sinkende Zahl an Autobesitzern und Führerscheininhabern bei jungen Erwachsenen. War es bis vor kurzem noch der Normalfall, gleich nach dem 18. Geburtstag den Führerschein zu machen, gibt es in der Altersklasse der um die 90er-Jahre Geborenen viele, die ihn erst verhältnismässig spät oder gar nie machen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Man investiert das Geld lieber in andere Dinge wie zum Beispiel ein Tablet oder ein Smartphone. Das Smartphone wird dank neuen Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing und Ridesharing gleichzeitig zur persönlichen Mobilitätszentrale.

 

Ebenso dürfte eine Rolle spielen, dass sich junge Menschen heute länger in Ausbildung befinden als früher, und deshalb der Erwerb des Führerscheins finanziell erst nach Abschluss der Ausbildung in Frage kommt. Da der Übergang von der Ausbildung zur Festanstellung zudem länger dauert als in früheren Jahren, sind Menschen in diesem Lebensabschnitt auf bezahlbare Mobilitätslösungen angewiesen. Ein eigenes Auto ist daher oft schlicht zu teuer.

 

Multimodalität – Der Silberstreif am Horizont?

Innovative Mobilitätskonzepte und der Wertewandel des Automobils führen dazu, dass Verkehrsmittel immer mehr bedarfsgerecht kombiniert werden. Der Mensch erlebt ein immer breiteres Spektrum der Mobilität und bricht mit seinen Routinen. Er wird offener für eine pragmatische Verkehrsmittelnutzung. Je besser das Auto mit anderen Verkehrsmitteln kombiniert wird und kombinierbar ist, umso intensiver wird es auch genutzt.

 

Durch dieses veränderte Nutzerverhalten wird Carsharing eine gute Möglichkeit, die Anzahl privater Autos zu verringern, die Parkplatznot in urbanen Zentren zu lindern, bestehende Ressourcen besser auszuschöpfen und somit die Transportnetze einer Stadt nachhaltig zu stärken.

 

Neben Carsharing bieten ein attraktiver ÖV, Veloausleihsysteme, Elektrovelos (auch Cargo), Ridesharing Plattformen, Fernbusse etc. neue Mobilitätslösungen. Das führt zu einer geringeren Abhängigkeit von einzelnen Verkehrsmitteln.

 

Wie sieht dies konkret aus? Zurück zu Kollege Paul. An seinem Beispiel zeigt sich gut, wie sich der urbane Mensch heute jeweils das Verkehrsmittel zu nutzen macht, das kostengünstig, zielführend und einfach zugänglich ist.

 

Paul lebt mit seiner Familie in Zürich. An seinen Arbeitsplatz gelangt er mit der S-Bahn, kleine Einkäufe erledigt er mit dem eBike. Um im IKEA in Spreitenbach ein neues Boxspringbett für sich und seine Frau zu kaufen ist der sharoo Minibus seines Arbeitskollegen die richtige Lösung. Für weitere Distanzen und Städtetrips bevorzugt er den Zug oder den Fernbus. Ab und zu darf es auch eine UBER Fahrt sein.

Ein eigenes Auto braucht Paul nicht mehr…

Verfasst von Peter | 23. März 2016 |  


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